Specter: Die selbstgebaute Hardware-Wallet
Der Specter ist eine quelloffene Hardware-Wallet, die du aus handelsüblichen Standard-Komponenten selbst zusammenbauen kannst. Er funktioniert air-gapped per QR-Code, ist von Grund auf auf MultiSig-Setups ausgelegt und verwahrt deinen Seed bevorzugt auf einer SmartCard.
Specter im Detail: DIY und Shield
Die Specter Hardware Wallet ist ein Open-Source-Selbstbau-Projekt unter der Schirmherrschaft der Specter Association und die konsequente Umsetzung des Mantras "don't trust, verify":
- Nur Standard-Elektronik: Kein proprietärer Chip, keine NDA-konstruierte Blackbox, alle Bauteile sind dokumentiert und frei bestellbar.
- Jede Zeile Code offen: Firmware, Hardware-Design und Software sind quelloffen. Du kannst das Gerät nachvollziehen, prüfen und von Grund auf selber zusammenbauen.
- Bitcoin-only: Keine Altcoins, keine unnötige Angriffsfläche.
Die wichtigsten Eigenschaften
Der Specter vereint viele Funktionen, die ihn zu einem vollwertigen Keystore für fortgeschrittene Setups machen:
- MultiSig-Wallets als Hauptfokus: Das Gerät ist ausdrücklich als Keystore für MultiSig-Wallets konzipiert. Du kannst damit mehrere Schlüssel und Wallets parallel verwalten.
- Air-Gapped per QR-Code: Die Kommunikation läuft vollständig über QR-Codes und die eingebaute Kamera. Kein WLAN, kein Bluetooth, Einsatz einer SD-Karte optional.
- Verschiedene Entropy-Quellen: Der Seed kann aus Münzwürfen, Touchscreen-Timing und Hardware-TRNG generiert werden.
- Großer Touchscreen: Ein 4″ Farbdisplay mit komfortabler Eingabefunktion ohne Mini-Tastatur.
- Secure Bootloader und Reproduzierbare Builds: Nur signierte Firmware bootet; manipulierte Images werden abgelehnt. Du kannst die Firmware selbst kompilieren und mit dem offiziellen Release abgleichen.
- SmartCard-Verwahrung: Dein Seed liegt auf einer herausnehmbaren SmartCard. Die Karte ist PIN-geschützt und sperrt sich bei zu vielen Fehlversuchen.
Der Unterschied: Specter-DIY und Specter Shield
Der Name "Specter-DIY" steht für das Basismodul der Hardware-Wallet: Ein STM Discovery Board mit Touchscreen, Kamera und microSD-Slot. Das Basismodul allein hat keinen SmartCard-Slot. Dein Seed gelangt nur temporär in den Speicher, entweder über manuelle Eingabe oder via SeedQR. Es wäre auch möglich, den Seed verschlüsselt persistent im Speicher oder auf einer SD-Karte abzulegen, davon wird jedoch explizit abgeraten.
Die SmartCard-Verwahrung ist an eine Erweiterungsplatine gekoppelt, welche den integrierten SmartCard-Slot mitbringt. Die SmartCard ist also erst in der Kombination Specter-DIY + Erweiterungsplatine verfügbar, was dann als Specter Shield bezeichnet wird.
Die SmartCard: Dein Seed in der Hand
Das Verwahrungsmodell der SmartCard sieht folgendermaßen aus:
- Die Seed-Entropie liegt auf der SmartCard, nicht im Gerät. Sie wird nie im internen Flash der Specter-Hardware gespeichert.
- Der Zugriff auf den Schlüssel ist durch die Card-PIN geschützt.
- Den Lockout setzt die Karte selbst durch: Bei zu vielen Fehlversuchen sperrt sie sich dauerhaft.
- Die Karte lässt sich herausnehmen und separat aufbewahren.
Damit bietet die SmartCard einen echten Hardware-Schutz, ohne dass dein Seed irgendwo im Gerät landet: Wer das Gerät stiehlt, hat nur die Hardware. Wer die Karte stiehlt, kommt ohne PIN nicht weiter.
Gerätegebunden oder portabel?
Die SmartCard gibt es in zwei Varianten:
- verschlüsselt ist sie an dein konkretes Gerät gebunden und mit anderen Specter unbrauchbar.
- portabel funktioniert die SmartCard nach PIN-Eingabe auf jedem Specter Shield.
Welche Variante für dein Setup sinnvoll ist, hängt davon ab, ob du sie auf einem einzigen Gerät nutzen oder auch auf ein Ersatzgerät ausweichen können möchtest.
Secure Element — aber herausnehmbar
Klassische Hardware-Wallets verbauen ein fest eingelötetes Secure Element. Specter wählt mit der SmartCard einen anderen Weg:
- Kein Blackbox-Bauteil im Gerät selbst, die Basis ist vollständig transparent und nachvollziehbar.
- Die SmartCard ist das Secure-Element, welches du selbst einsteckst und jederzeit wieder herausnehmen kannst. So bekommst du den PIN-Lockout-Mechanismus klassischer Wallets, ohne einem versiegelten Chip vertrauen zu müssen. Der Chip sitzt auf der Karte und gehört dir.
- Multi-User über verschiedene Karten nutzbar, da jeder Nutzer seinen Seed mit einer eigenen SmartCard mitbringen kann.
SeedQR: Die Alternative zur SmartCard
Wenn du auf deinem Specter-DIY keine SmartCard verwenden möchtest, kannst du den Seed klassisch air-gapped per SeedQR verwalten. Dabei wird dein Seed als QR-Code auf Papier oder Stahl übertragen:
- Der Seed wird als SeedQR ausgedruckt oder auf eine Stahlplatte gestanzt.
- Bei jedem Einschalten liest die Kamera den SeedQR ein. Kein manuelles Tippen, keine Schreibfehler.
- Nach dem Ausschalten ist der Seed weg: Das Gerät speichert ihn nur temporär im Arbeitsspeicher.
Hinweis
Der SeedQR-Workflow ist eine vollwertige, aber sekundäre Option. Die SmartCard ist bequemer, denn der Seed muss nicht ständig neu eingelesen werden. Außerdem wird der Seed zusätzlich mit PIN und Lockout geschützt. Wie genau du einen SeedQR erstellst, wird ausführlich im SeedSigner-Artikel erklärt.
Ob mit SmartCard oder SeedQR: Der Specter kann seinen Seed auch vollständig "amnesisch" halten. Der Seed liegt dann nur im Arbeitsspeicher und verschwindet beim Ausschalten. Wird dir das Gerät gestohlen, hat der Dieb damit nichts in der Hand: keinen Seed, keinen Zugriff auf deine Coins.
Software: Firmware, Bootloader und Updates
Für den Betrieb brauchst du die Specter-DIY-Firmware. Die wichtigsten Punkte:
- Firmware herunterladen vom offiziellen Release-Kanal.
- Verifizieren: Achte auf die signierten Release-Images und verifiziere die Software.
- Secure Bootloader installieren: Beim Erst-Flash wird der Bootloader gesetzt, welcher anschließend nur signierte Firmware startet.
- Updates: Nachfolgende Versionen werden sicher über den Bootloader eingespielt.
Wichtig
Nutze aus Sicherheitsgründen den Secure Bootloader und keine unkontrollierten Zwischenstände. Das Projekt hat für regelmäßige Updates einen klaren, signierten Prozess.
Konfiguration und erste Schritte
Nach dem Zusammenbau und der Installation der Firmware:
- Key erzeugen: Leg dir einen frischen Seed an — inklusive optionaler Passphrase.
- Seed verwahren: Nutzt du die Kombination mit dem Specter Shield, stecke deine SmartCard in den Slot und richte die Card-PIN ein — die SeedQR-Variante als Backup kannst du zusätzlich erstellen.
- Wallet hinzufügen: Importiere deinen Wallet-Descriptor per QR-Code, SD-Karte oder Datei.
- Mit Sparrow verbinden: Der Sparrow Wallet-Artikel erklärt, wie du das Gerät als air-gapped Keystore importierst.
Hardware: Kosten und Bezug
Der Specter-DIY ist auch als Bausatz ohne Löten verfügbar:
- Einzelteile: STM32F469 Discovery Board + Touchscreen + Kamera + microSD — insgesamt etwa 100–160 € je nach Bezugsquelle.
- Bausatz/fertig: Beim deutschen Anbieter ClavaStack bekommst du ihn als Komplett-Set. Entweder fertig zusammengebaut oder als Steck-Bausatz (15–30 Minuten Aufbau, kein Lötkolben nötig) ab ca. 165 €. Die Shield-Erweiterung und SmartCards gibt es dort ebenfalls.
Fazit und Einordnung: Der Specter im Vergleich
Der Specter kann sehr gut alleinstehend als Hardware-Wallet verwendet werden. Auf Grund seiner Eigenschaften ist er aber auch eine sehr gute Wahl, um neben anderen Hardware-Wallets seinen Platz in einem MultiSig-Setup einzunehmen. Dies sieht man auch gut, wenn man ihn mit anderen Hardware-Wallets vergleicht und die Eigenschaften gegenüberstellt:
| Specter | SeedSigner | BitBox02 | |
|---|---|---|---|
| Anbindung | Air-gapped per QR | Air-gapped per QR | USB (Pairing) |
| Seed-Verwahrung | SmartCard oder SeedQR | SeedQR | Intern (nicht entnehmbar) |
| Secure Element | Auf der SmartCard (entnehmbar) | Nein | Ja |
| Fullnode-Anschluss | Über Sparrow | Über Sparrow | Über Sparrow oder BitBox-App |
| MultiSig | Ja (Hauptfokus) | Ja (bis drei Schlüssel) | Ja |
| WLAN/Bluetooth | Nein | Nein (bei Pi Zero v1.3) | Nein |
