# Bitcoin kaufen: Was muss ich beachten?

Bitcoin ist spannend und es gibt viele Punkte, die es zu einem faszinierenden Thema machen. Dich interessiert aber sicherlich erstmal, wie du überhaupt loslegen und an Bitcoin kommen kannst. Dieser Artikel beschreibt die meiner Meinung nach wichtigsten Dinge, über die du dir vor dem Erwerb Gedanken machen solltest.

# Bleib sauber!

Wie du am Titel erkennst, wirst du hier nur Infos zum Kauf von Bitcoin finden. Meiner Erfahrung nach lässt sich der gesamte Bereich mit einem Satz zusammenfassen: Es gibt Bitcoin – und Shitcoins. Mein gut gemeinter Rat: Erspar dir den Traum von schnellem Reichtum und den damit verbundenen Ärger über verlorenes Geld.

Es sind spannende Zeiten einer monetären Revolution, lerne lieber kontinuierlich anstatt direkt am Anfang zu zocken. Konzentriere dich auf das was sich aktuell gemeinschaftlich als neue Geldform herausbildet. Bleib bescheiden und staple Satoshis!

# Was sind "Satoshis"?

Dabei handelt es sich um die Untereinheit eines Bitcoin: So wie ein Euro in 100 Cent unterteilbar ist, steht ein Bitcoin für 100.000.000 Satoshis (100 Millionen). Dies bietet als Einheit genug Teilbarkeit, um damit auch bei ggf. massiver Wertsteigerung in der Zukunft gut umgehen zu können.

Das bedeutet auch, dass du nicht "einen ganzen Bitcoin" kaufen musst: Du kannst Satoshis stapeln bis du deinen ersten Bitcoin dann irgendwann zusammengespart hast. Satoshis werden von uns auch liebevoll einfach "Sats" genannt.

# Satoshis stapeln

Der Preis schwankt teilweise stark, dennoch ist Bitcoin über längere Zeit betrachtet bisher eine sehr gute Sparoption. Die "Durchschnittspreismethode" ist eine Strategie, mit der sich die Auswirkung der Preisvolatilität reduzieren lässt: Man erstellt einen (bestenfalls automatisierten) Sparplan und kauft in regelmäßigen Abständen einen festen Betrag. So baut man kontinuierlich und in Ruhe sein Bitcoin-Guthaben auf, ohne nervös auf die Preisentwicklung zu schauen und seine Zeit mit dem Suchen optimaler Kaufzeitpunkte zu verschwenden.

Das einfache Satoshis stapeln klingt zugegeben wenig sexy. Dieser Ansatz funktioniert aber gut und verlässlich und eignet sich daher auch prima für den Einstieg: Du musst weder direkt einen großen Batzen Geld in die Hand nehmen, noch dir allzuviele Gedanken machen, sollte der Kurs kurze Zeit nach deinem ersten Kauf fallen. Stattdessen könntest du dich in dem Fall darüber freuen, beim nächsten Mal dann günstiger an deine Portion Sats zu kommen. Die beste Option zum Ausgleich der Schwankungen ist historisch gesehen ein tägliches oder wöchentliches Intervall.

# Wo bekomme ich Bitcoin?

Zunächst stellt sich die Frage wo und wie du deine ersten Satoshis bekommst: Die meisten Leute erwerben Bitcoin, indem sie es für staatliche Währungen wie den Euro kaufen. Daneben gibt es aber auch den Weg, Bitcoin zu verdienen oder gegen etwas anders einzutauschen. Ich erwähne das direkt, weil es noch eine eher unübliche Variante ist, die zunächst auch gar nicht gesehen wird. Und es hat einige Vorteile, wie du gleich feststellen wirst …

# Zentrale Börsen

Der absolute Großteil wird an zentralen Börsen wie Coinbase, Binance oder Kraken gehandelt. Auch wenn dies wie der schnellste und zugänglichste Weg aussieht, solltest du dir der damit verbundenen Nachteile bewusst sein:

  • Für die Registrierung gibst du in der Regel jede Menge Daten von dir preis: Oft ist es nötig, eine Kopie deines Personalausweises und weitere Dokumente als Legitimation einzureichen. Die damit verbundenen Probleme habe ich näher in der Erklärungen der dafür verwendeten Begriffe KYC und AML beschrieben.
  • Diese Börsen verdienen ihr Geld mit dem Handel. Sie bieten daher in der Regel jede Menge Shitcoins an, da das Verführen zum Zocken ein sehr lukratives Geschäft für sie ist. Nicht umsonst werden zentrale Börsen daher auch als Shitcoin-Casinos bezeichnet.
  • Bei zentralen Börsen hältst du nicht selbst den eigenen privaten Schlüssel, sondern vertraust dem Anbieter. Während die Coins auf der Börse liegen, hast du nur vermindert Kontrolle darüber und bist auf die Sicherheit und Loyalität der Börse angewiesen. Es gibt bereits leider einige Beispiele, aus denen das Mantra "Nicht deine Schlüssel, nicht deine Coins" entstanden ist.

Das muss nicht zwangsläufig heißen, dass zentrale Börsen generell ein Problem sind. Wenn du beispielsweise nur die Registrierung für den Kauf geringer Beträge abschließt und deine Satoshis ab einem bestimmten Betrag in eine eigene Wallet sendest, dann würde ich das als pragmatische Einstiegsmöglichkeit sehen.

In diesem Fall würde ich dir die Börse Kraken (opens new window) empfehlen: Dort werden zwar auch einige Shitcoins angeboten, Kraken macht ansonsten aber einen guten Eindruck und hat im Vergleich zu anderen Börsen faire Gebühren.

Solltest du möglichst schnell einsteigen und vor allem Sats stapeln wollen, dann sieh dir Relai (opens new window) an: Dort zahlst du zwar höhere Gebühren, durchläufst aber einen leichtgewichtigen KYC-Prozess und hast die ersten Satoshis relativ schnell in der eigenen Wallet. Du überweist den Betrag für den du Bitcoin kaufen möchtest und sie schicken dir die Sats in deine Relai-Handywallet. Die Registrierung läuft dabei über deine Bankverbindung.

# Dezentrale Börsen

Eine bislang noch weniger genutzte Alternative dazu sind dezentrale Börsen: Hier ist die Börse nur in der Vermittlerrolle und du handelst direkt mit dem Anbieter. Die Börse dient als Marktplatz auf dem sich Käufer und Verkäufer finden können. Die Börse wird bei erfolgreichem Handel mit einer geringen Gebühr beteiligt – sie involviert sich nur im Fall, dass es beim Handel Probleme gibt.

Die Nutzerzahlen dezentraler Börsen sind aktuell jedoch noch weit unter denen zentraler Börsen. Daher ist auch die Anzahl der Angebote begrenzt und der Preis liegt dadurch in der Regel über dem Marktpreis zentraler Börsen. Dennoch sind sie insbesondere im Hinblick auf deine Privatsphäre und das eigene Verwahrung der Schlüssel interessant. Hier halte ich Bisq (opens new window) für die beste Option:

  • Voraussetzung ist nur die App, es gibt darüber hinaus keine Registrierung. Da der Handel direkt zwischen dir und dem Verkäufer stattfindet, kennt dieser am Ende nur deine Zahlungsdaten. Du vertraust somit nur dem Verkäufer, die Daten werden nicht zentral erfasst. Je nach Zahlungsoption kann diese aber dennoch deinen Namen beinhalten.
  • Du erstellst mittels der App selbst einen Schlüssel für deine Bisq-Wallet. Diesen kannst du sichern und auch in einer anderen Wallet wiederherstellen. Du hast die Coins somit immer unter eigener Kontrolle und bist nicht auf Bisq angewiesen.

Zugegebenermaßen ist dies für Einsteiger aber wahrscheinlich aus mehreren Gründen keine direkte Option. Das Vorgehen ist komplexer und wirkt sicherlich auch für den unbedarften Nutzer befremdlich und abschreckend …

  • Die größte Hürde: Es muss zunächst ein Pfand von 0.01 Bitcoin hinterlegt werden. Dies ist für den Fall, dass es beim Handel Probleme gibt und bspw. deine Überweisung nicht stattfindet. In so einem Fall würde Bisq sich einschalten und zwischen dir und dem Verkäufer vermitteln. Das Pfand dient dabei als Sicherheit für die Schlichtung.
  • Man hält den eigenen Schlüssel, muss sich somit auch darum kümmern und diesen sichern.
  • Die Wahl der Zahlungsoption stellt einen vor die Frage, welche Daten man dennoch preis gibt.
  • Das Finden von zur gewählten Zahlungsoption passenden Angeboten ist teilweise nicht leicht.

Auch wenn es für den Einstieg zunächst unpassend klingt, kannst du diese Option vielleicht ja nach einiger Zeit erneut ins Auge fassen. Vielleicht hast du aber ja auch einen erfahrenen Bitcoiner in deinem Umfeld, der dir hier helfen kann.

# Bitcoin verdienen/tauschen

Zu guter letzt die meiner Meinung nach beste Option: Bitcoin nicht kaufen, sondern verdienen oder tauschen. In technischen Jobs ist man oftmals näher an dem Thema und es ist auch für Kunden aus dem Ausland eine gute Zahlungsoption: Die Bezahlung ist schnell, verlässlich und im Vergleich zu herkömmlichen Banküberweisungen mit geringen Gebühren verbunden.

Aber auch wenn du nicht selbstständig bist, keinen Computerjob oder Leute mit Bitcoin in deinem Umfeld hast…  es gibt mehrere Wege um Bitcoin nachzufragen und so auch einen Beitrag zur zirkulären Ökonomie zu leisten:

  • Als Privatperson kannst du es beispielsweise in den Kleinanzeigen als Bezahloption nutzen.
  • Als Künstler kannst du die neu aufkommenden Möglichkeiten zur Vergütung nutzen (Podcasting 2.0 (opens new window), Streaming Sats, etc.).
  • Du kannst Spenden in Bitcoin akzeptieren, was zum Beispiel für Vereine oder gemeinnützige Organisationen interessant ist.
  • Einen Online-Shop zu erstellen und betreiben ist mittlerweile viel einfacher als noch vor ein paar Jahren. Bitcoin und Lightning sind hier hervorragende Zahlungsmethoden wie wir im Einundzwanzig-Shop (opens new window) sehen.

Ein guter Weg Kunden für das Thema zu sensibilisieren und es auch attraktiv zu machen: Biete Preisnachlass bei Zahlung mit Bitcoin an. Es müssen nicht die obligatorischen 21% sein, aber der Zugewinn in Sachen Privatsphäre sollte es dir wert sein. Du schaffst damit für die Gegenseite einen Anreiz, sich von ihren kostbaren Satoshis zu trennen – und du hast den Vorteil, nicht per KYC-Börse kaufen zu müssen. Bei langfristiger Wertsteigerung profitierst du eh und das Gefühl das härteste aller Gelder zu verdienen ist sehr efüllend!

# Warum ist Privatsphäre wichtig?

Wie du merkst reite ich ziemlich auf diesem Thema herum, daher zum Abschluß noch ein paar weitere Worte dazu. Im digitalen Raum hinterlässt jede Aktion Fußspuren und Fingerabdrücke: Wenn du dich bei einer Börse einloggst, eine Transaktion verschickst oder eine Adresse im Block Explorer suchst – all dies wird auf verschiedenste Weisen protokolliert und aufbewahrt. Wie lange diese Informationen gespeichert werden, von wem sie rechtmäßig einsehbar sind oder wer sich unrechtmäßig dazu Zugang verschafft… wer weiß das schon?

Du willst weder Steuern hinterziehen, noch Drogen oder Waffen kaufen – ok, dafür wäre eine öffentlich einsehbare Blockchain auch eher ungeeignet. Du hast also prinzipiell nichts zu verbergen. Andererseits möchtest du aber vielleicht auch nicht alles direkt offenbaren: Warum sollte in Zukunft der Kioskbesitzer wissen wieviel du verdienst, nur weil du mit dem Coin deines Monatslohns bezahlt hast? Oder du möchtest dich davor schützen, unerwarteten Besuch zu bekommen, weil nach einem Börsenhack bekannt wurde, wie viel Bitcoin du besitzt und wo du wohnst.

Ich möchte dich damit nicht abschrecken, auf der anderen Seite aber auch klar machen, dass dieses Thema wichtig ist: Sind deine Daten erst einmal draußen ist es fast unmöglich sie zu kontrollieren und wieder zurückzubekommen. Du wirst vieles im Laufe der Zeit ausbauen und verbessern können, aber bitte starte nicht einfach vollkommen unbedarft und leichtgläubig. Diesem Thema werde ich daher noch einige weitere Artikel widmen.